{"id":4329,"date":"2011-03-14T15:32:00","date_gmt":"2011-03-14T15:32:00","guid":{"rendered":"http:\/\/noahsmindfuck.wordpress.com\/2011\/03\/14\/rauschaktion"},"modified":"2011-03-14T15:32:00","modified_gmt":"2011-03-14T15:32:00","slug":"rauschaktion","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.noahessl.com\/?p=4329","title":{"rendered":"Rauschaktion"},"content":{"rendered":"<p>Kennst du den Begriff &#8220;Rauschaktion&#8221;?<br \/>\nIn unserem Sprachgebrauch versteht man darunter etwas, was man im Alkoholrausch macht, wo man im nachhinein nicht wei\u00df, ob man sich dar\u00fcber freuen soll oder ob man in die Psychatrie eingewiesen werden muss.<\/p>\n<p>Von einem \u00e4hnlichen aber doch ganz anderen Vorfall handelt die folgende \u2026 nennen wir es mal &#8220;Geschichte&#8221;!<br \/>\nAber da muss ich ein bisschen ausholen\u2026<\/p>\n<p>Meine Schwester und ich sind schlicht und einfach Chaoten. Spontanit\u00e4t ist unser Schl\u00fcssel zur Freiheit. Frei und spontan wir wir also sind, machten wir uns eines sch\u00f6nen Mittags auf den Weg in die S\u00fcdsteiermark, an die slovenische Grenze. Am Weg dorthin, wie immer mit dem Zug, kam uns ein schon \u00f6fters erw\u00e4hnter Gedanke zur Sprache. Es ging um eine Reise ans Meer, und zwar mit dem Fahrrad. Ziel sei Istrien, und die kroatische K\u00fcste. Schwer motiviert &#8211; und noch n\u00fcchtern &#8211; haben wir also den modernen Zettel und Stift ausgepackt, den Laptop, und mal eine Liste gemacht, von allen Sachen die wir ncoh so brauchen.<\/p>\n<p>2x Regenplane, 2x Flie\u00dfdecke, 2x Moskitonetz, 2x Regenjacke, 1x Fahrrad-Schloss, 1x R\u00fccklicht, 1x Ledlampe, 1x Pumpe, 1x Bremse, Kotfl\u00fcgel, 2x gro\u00dfe Rucks\u00e4cke, 2x Getr\u00e4nkehalter<\/p>\n<p>Sch\u00f6n!<\/p>\n<p>Das wars dann auch schon mit unserer Planung, immerhin hatten wir ja was anderes vor\u2026 wir waren unterwegs zu einem Grillfest &#8211; auch spontan. Besagtes Grillfest wurde kombiniert mit 2 K\u00e4sten Bier, 12 Dosenbier, 2 Flaschen rotem Wein und mehrern &#8211; nicht mehr gez\u00e4hlten &#8211; 2-Liter-Flaschen Most. Da wir nur zu viert waren, dauerte das Grillfest bis in die Morgenstunden, wir konnten einfach nichts \u00fcbrig lassen.<\/p>\n<p>Bei gut 4h Heimfahrt nach Wien wurde ansatzweise geschlafen, beim eintreffen kurz geduscht, und dann zum ausn\u00fcchtern mit dem Fahrrad ein bisschen \u00fcber die Donauinsel gecruist.<br \/>\nMan muss sagen, dass so gut wie jede Strecke der letzten Wochen, die l\u00e4nger als bis zur Haust\u00fcre waren, auf dem Rad zur\u00fcckgelegt wurden. Scheinbar haben wir eine Art Sucht entwickelt, die uns auf unseren Drahtesel festh\u00e4lt.<\/p>\n<p>Als wir am n\u00e4chsten Tag aufwachten, es muss wieder um die Mittagszeit gewesen sein, ersp\u00e4hre ich eine Kurznachricht auf meinem mobilen Telefon, die besagte, dass wir bei meiner Mitbewohnerin in K\u00e4rnten eingeladen seien. Allerdings m\u00fcssten wir uns beeilen, da der letzte Zug bald abgefahren sei.<br \/>\nOhne zu \u00fcberlegen wurden 2 Rationen Kleidung eingepackt, die R\u00e4der gesattelt, und schon waren wir wieder auf dem Weg in den S\u00fcden &#8211; im Hinterkopf unsere Reise ans Meer, die wir von K\u00e4rnten wohl am besten starten k\u00f6nnten.<\/p>\n<p>In Spittal-Millst\u00e4dtersee angekommen erwarteten uns 200 H\u00f6henmeter auf weniger als 4 Kilometern, die wir bei Nacht und Finsterkeit zur\u00fccklegten um dort bei den Ritterspielen ein k\u00fchles Bier zu genie\u00dfen, und dann weiter zu Judith zu fahren.<\/p>\n<p>Dort gabs noch 2-3 Bierchen f\u00fcr jeden von uns, als kleine Motivation f\u00fcr den n\u00e4chsten Tag, und dann kippten wir in unsere Betten, freudenstrahlend den Tr\u00e4umen entgegen.<\/p>\n<p>Am n\u00e4chsten Morgen aufgewacht. Das passiert hin und wieder. Freudenstrahlend noch eine warme Mahlzeit verdr\u00fcckt, gehts per Fahrrad hinab vom Berge, fort aus Trefling, zum Hervis, in Spittal. Stimmen lie\u00dfen verlauten dort sei Ausverkauf. Mir nichts dir nichts reingeplatzt, und einen Teil der oben genannten Liste und mehr in den Besitz gebracht.<br \/>\nEin toller Rucksack, Lichter f\u00fcrs Fahrrad, Regenschutz f\u00fcr den Rucksack &#8211; den Regenschutz f\u00fcr uns selbst haben wir anscheinend vergessen. Dazu sp\u00e4ter. Einen Helm f\u00fcr mich, 2 Schlafs\u00e4cke, da wir im Unterbewussten doch ahnten, dass in freier Natur die Temperaturen nicht zu unseren Gunsten stehen w\u00fcrden.<\/p>\n<p>Voll ausger\u00fcstet in Spittal am Bahnhof, und schwer motiviert! Viele Gedanken steigen einem zu Kopfe, wenn man ins ungewisse startet, zum ersten mal auf eigene Faust und auf eigene Verantwortung, \u00fcber die Grenzen des Landes hinaus, weit weg! Nervosit\u00e4t war auf keinen Fall vorhanden, mehr Vorfreude auf die Ungewissheit.<\/p>\n<p>In Villach am Bahnhof machten wir uns zum ersten mal Gedanken \u00fcber die Strecke, beziehungsweise \u00fcber den Anfang der Strecke. Bisher wussten wir nur, dass wir ans Meer sollten. Ein spontaner und wahrscheinlich sehr guter Einfall riet uns zum Kauf einer Karte des Gebietes, welches wir durchqueren sollten. Also einfach mal dort den direkten Weg gew\u00e4hlt, und auf unser Gl\u00fcck vertraut, dass es schon gut gehen w\u00fcrde.<\/p>\n<p>N\u00e4chstes ziel: per Zug nach Neuhaus an der Gail. Gut. Mehr oder weniger. Im Zug trafen wir einen schwer erfahren aussehenden Radfahrer, mit knappen 700 Kilo Gep\u00e4ck auf dem Fahrrad, und ausger\u00fcstet wie jemand, der um die Welt fahren wolle. Nach einem kurzen Plausch stellte sich heraus, dass er \u00fcber die von uns zu durchquerende Gegend ausreichend Bescheid wusste. Von ihm bekamen wir den ersten Eindruck der Route. Anderst gesagt war er der, der uns \u00fcberhaupt eine Route vorschlug. Sehr vielversprechend, ein See auf der Strecke, ein wundersch\u00f6ner Pass und gem\u00fctliches radeln bis zum Meer.<br \/>\nDer Gro\u00dfteil davon sollte sich bewahrheiten.<\/p>\n<p>Also, umgeplant<br \/>\n\u2026 kurze Zwischeninformation: geplant ist gar nichts. Aber wenn man ein Ziel auf einem anderen Weg zu erreichen versucht, als man urspr\u00fcnglich gedacht, dann verwende ich daf\u00fcr diesen Ausdruck!\u2026<br \/>\nweiter im Text.<\/p>\n<p>N\u00e4chster Halt \/ Next Stop: Arnoldstein. Oh wie herzlich die \u00d6BB doch sein kann, wenn man ihr ein bisschen Geld spendet. Am Bahnhof in Arnoldstein haben wir unser Zeug festgeschnallt, und sind in Richtung Italien aufgebrochen. Es war leicht bew\u00f6lkt, und vor uns t\u00fcrmte sich ein Berggipfel nach dem andern, als stritten sie sich um den Platz des h\u00f6chsten Berges der Welt. Aufgehalten wurden sie nur von den schweren Regenwolken, welche dar\u00fcber trohnten.<\/p>\n<p>Posend und mit vollem Handyakku noch ein paar Bilder geschossen, und dann wieder ins Getriebe gestiegen. Ca. 2 Meter nach der Italienischen Grenze blieben wir dann nochmal stehen, um ein paar unsere nachen Verwandten\/Bekannten zu informieren dass wir nun gesund losfahren. Und um noch einmal Kontakt zur Au\u00dfenwelt aufzunehmen, die wir\u00a0in den folgenden Tagen nicht erwarteten. Wir erwarteten gar nichts. Verwunderlich, dass wir trotz diesem Umstand anfl\u00fcge von Abenteuerlust udn Nervosit\u00e4t bekamen, zumindest ich, allerdings gut verstaut unter den bisherigen Anstrengungen die sich in meinem Gesicht spiegelten.<\/p>\n<p>Also radelt man fr\u00fchlich los, die Bundesstra\u00dfe in Italien entang. Ein \u00e4u\u00dferst suspekter Tunnel lie\u00df und vorsorglich unsere Lichter auf den R\u00e4dern anbringen. Alle Tunnel in Italien sind scheu\u00dflich. Zu mindest alle alten Tunnel. Zum F\u00fcrchten. Schnell durchgetreten, beim anderen Ende raus, und auf die frisch als Radweg pr\u00e4parierten alten Schienen. Nennt sich &#8220;Rail-to-Trail&#8221;, wenn alte Bahnstrecken zu Radwanderwegen werden und ist dementsprechend angenehm zu fahren, da Steigungen nur in geringem ma\u00dfe vorhanden sind.<br \/>\nNach ein paar Kilometern erreichten wir Davis oder Travisio oder auch anderst &#8211; wir waren nicht aufnahmef\u00e4hig f\u00fcr Dorfnamen. Links neben dem Radweg verl\u00e4uft die Stra\u00dfe, die durch diesen Ort f\u00fchrt. Volkst\u00fcmliche Musik wehte uns entgegen. Es war wohl ein Feiertag, an dem wir &#8220;einritten&#8221;. Wahrscheinlich feierten sie uns &#8211; warum auch nicht.<br \/>\nEin wenig belustig und doch schockiert \u00fcberholten wir die Spitze der dort auftretenden Parade, wo zu milit\u00e4rischem Trommeln eine camouflierte Truppen anscheinend unbewafneter Soldaten stolzierte. Ein wunderbarer Eindruck von Italien war gegeben.<\/p>\n<p>Wenige Minuten und einen guten Kilometer sp\u00e4ter befanden wir uns NICHT auf der Bundesstra\u00dfe SS54. Also mal die Karte, welche wir in Villach gekauft hatten aufgeschlagen, und durchgebl\u00e4ttert. Karten sind scheu\u00dflich, wenn man mit dem Fahrrad unterwegs ist, und keinen Tisch zum auflegen hat. Und diese Karte im speziellen war noch dazu unvorteilhaft, sehr unvorteilhaft sogar, da der Ma\u00dfstab 1:516.000 betrug. Unser dieszeitiger Standort war somit nicht zu erkennen, genausowenig wie die Ortschaft, die wir durchquert hatten.<br \/>\nEin guter Pfadfinder scheut sich aber nicht solcher Problemstellungen, packt sein Mobiltelefon aus und klinkt sich bei Google Maps ein. Sehr teuer im Ausland. Aber genauso hilfreich.<br \/>\nEs ging wieder zur\u00fcck bis Davis, und dort durch den Ort, der mittlerweile wieder zur Ruhe gekommen war. Wir fanden sogar eine Beschilderung der auf uns wartenden Sehensw\u00fcrdigkeit: Dem &#8220;Lago del Predil&#8221;.<br \/>\nVoller Motivation und voller Flausen im Kopf die n\u00e4chsten Kilometer bergauf. Eine sch\u00f6ne Strecke, ein wenig Schluchtig, aber duch hell, ein t\u00fcrkiser Gebirgsbach, so gut wie kein Verkehr &#8211; genau richtig f\u00fcr uns.<\/p>\n<p>Hier muss ich erw\u00e4hnen, dass die Gegend mich eher an Bilder aus dem fr\u00fcheren Jugoslavien zu Kriegszeiten erinnerte. Zerfallene &#8211; aber bewohnte &#8211; H\u00e4user. Totenstille.<\/p>\n<p>N\u00e4chster Halt war Cava del Predil, ein kleines Bergkaff mit einem beeindruckenden Bergwerk, welches \u00e4u\u00dferst pomp\u00f6s aber schrecklich zerfallen wirkte. Leider konnten wir nicht ausmachen, ob dort noch Menschen arbeiteten oder nicht.<\/p>\n<p>Aber f\u00fcr Sightseeing waren wir ja nicht gekommen. Je h\u00f6her wir kanem, desto n\u00e4her kamen wir auch der slovenischen Grenze, bemerkbar duch die von Hand mit Steinen und selbstgemachtem M\u00f6rtel aufgebauten &#8220;Wachh\u00fctten&#8221; mit Schie\u00dfscharten, die zerfallen und beinahe zur Unkenntlichkeit zerschossenen neben der Stra\u00dfe lagen.<\/p>\n<p>Da waren wir also, am Predil-See. Gesch\u00e4tze Lage: 900m \u00fc.d.A.Meer<br \/>\nDurch noch immer dichte Wolken worde uns leider ein sch\u00f6ner Sonnenuntergang verwehrt, und auch die Luftemperatur war dementsprechend niedrig. Aber der Anblick des See&#8217;s entsch\u00e4digte vorerst f\u00fcr die Strapatzen und lie\u00df uns das Rundherum vergessen.<br \/>\nAls wir chillend am Seeufer sa\u00dfen, wurde uns der Umstand bewusst, dass sich unser Proviant auf 2 \u00c4pfel beschr\u00e4nkt und dass unser Vorschlag auf der Strecke proviant zu checken wohl in die Hose gegangen war. Die Wahrscheinlichkeit in diesem rundum so gut wie menschenleeren Gebiet einen Supermarkt mit Frischfleischtheke und italienischen Spezialit\u00e4ten zu finden war anscheinend doch nicht so hoch.<br \/>\nSchwuppdiwupp, die \u00c4pfel verschlungen und grinsend das beste erwartend noch schnell eine Zigarette geraucht, und schon waren wir auf der Suche nach einem Schlafplatz f\u00fcr die Nacht. Die schon eingefallene Dunkelheit machte uns die Suche nicht unbedingt leicht, aber nach wahrscheinlich 15 Minuten verstecken der Fahrr\u00e4der und 20 Minuten Abstieg eines glitschigen Hanges voll Ger\u00f6ll und umgebrochenen B\u00e4umen hingen wir in unseren H\u00e4ngematten 2 Meter entfernt vom See in der Nacht &#8211; vermeintlich gesch\u00fctzt von den n\u00e4chtlichen Gefahren der Natur.<br \/>\nAus dem schlafen wurde allerdings nicht viel. Nach einer guten Stunde bin ich eingenickt, jedoch nicht f\u00fcr lange. Sonnhild bekam es gar nicht hin. Die Nervosit\u00e4t und K\u00e4lte hielt unser Gehirn so auf Trab, dass an Schlaf nicht zu denken war.<br \/>\nGelegentliches zupfen an der H\u00e4ngematte, herbeigef\u00fchrt vermutlich und hoffentlich duch Eichh\u00f6rnchen oder M\u00e4usen, raschelnde Ger\u00e4usche, eingebildete Schritte und spukiges Wetterleuchten mit aus der Ferne ansteigendem Donnergrollen l\u00f6sten eine Art Gefahrenbereitschaft aus, die ich auch schon bei Hunden bemerkt habe. Man liegt da, als schliefe man, der K\u00f6rper kann ruhen, aber bei dem ersten Ger\u00e4usch oder einer sprunghaften Ver\u00e4nderung der Stimmung liegt man wieder hell wach da, den Finger am Schalter der Taschenlampe, und horcht in die Stille, um eine Sekunde sp\u00e4ter ein fl\u00fcsterndes &#8220;Hast du das auch Geh\u00f6rt?&#8221; von dem &#8220;Zimmergenossen&#8221; zu h\u00f6ren. Derartiges hochschnellen des Pulses macht es schwer, Ruhe zu finden. Immerhin war weit und breit keine Menschenseele, und rumherum nur unbekanntes felsiges Gebiet, weit abseits der Heimat. Gott sei dank erfuhren wir im Nachhinein &#8211; also ca. 2 Wochen sp\u00e4ter &#8211; dass die Braunb\u00e4ren, welche in dieser Gegend hausen f\u00fcr Menschen ungef\u00e4hrlich sein.<\/p>\n<p>Moment\u2026 BRAUNB\u00c4REN?<br \/>\nEin kurzes Kribbeln in meiner Unterhaut l\u00e4sst mir f\u00fcr eine Sekunde die Haare zu Berge stehen. Was f\u00fcr ein Gl\u00fcck, dass wir uns diesem Umstand nicht bewusst waren!<\/p>\n<p>Weitere passive Anwesenheit \u00fcber die folgenden Stunden bleibt unkommentiert. Die immer wieder zwischen den B\u00e4umen funkelnden Sterne waren allerdings ein \u00e4u\u00dferst Beruhigender Faktor &#8211; sie best\u00e4tigten die Erf\u00fcllung des Wunsches im trockenen schlafen zu k\u00f6nnen &#8211; bis sie verschwanden. Und das einzige was dann ein Funkeln verursachte, war die Erbostheit \u00fcber den aufkommenden Regen und das Gewitter. Es war 5:30h morgends.<br \/>\nAnfangs versuchten wir unserer Standhaftigkeit und unserem Trotz mit dem Verstecken unter unseren H\u00e4ngematten ausdruck zu geben, aber in dem Gedanken daran, dass wir das Zeug trocken brauchen w\u00fcrden, gaben wir der Natur nach, packten unsere Sachen und fl\u00fcchteten in den am Vortag durchfahrenen Tunnel, welcher einen hervorstehenden Teil des Berges durchfahrbar machte. Sekunden bevor das folgende Szenario passierte lief es in meinem Kopf ab. Die Bremsen versagten, aufgrund einer Kombination aus schlechter Spannung ihrer selbst, der regennassen Felgen, meiner h\u00f6chstwahrscheinlich zu hohen Geschwindigkeit und wahrscheinlich dem Umstand dass mein Gehirn die Stunden zuvor im Sekundentakt von null auf hundert gepeitscht wurde. Trotz allem landete ich unversehrt, nach mehrsek\u00fcndigem senkrechten Stand meines Rades auf dem Vorderreifen, an unserem Ziel, einer nach au\u00dfen offenen Niesche im Tunnel, welche wir beim bergauffahren ersp\u00e4ht hatten.<br \/>\nEine unscheinbare und unsichtbare, hinterlistige und feige Betonstufe befand sich n\u00e4mlich zwischen Stra\u00dfe und unsere sch\u00fctzenden H\u00f6hle, gefolgt von einem 10cm hohen metallischen &#8220;Ding&#8221; das in dem Boden betoniert war &#8211; welches ich mit vollem Schwung \u00fcbernommen hatte. Aber es war mir nichts passiert, das stimmte mich froh und lie\u00df mich diesen Moment wieder vergessen. Auf meinen Freund, das Fahrrad hatte ich in dem Augenblick total vergessen.<\/p>\n<p>10 Minuten sp\u00e4ter \u00e4hnelte diese kleine H\u00f6hle meinem Zimmer, \u00fcberall stand Zeugs herum, unsere nassen Sachen h\u00e4ngten wir \u00fcber unsere Fahrr\u00e4der und an die Felsw\u00e4nde, und dann kuschelten wir uns noch 2-3 St\u00fcndlein auf den Schotterboden in unsere Schlafs\u00e4cke und versuchten nocheinmal ein bisschen wegzud\u00f6sen &#8211; was auch gro\u00dfteils funktionierte.<\/p>\n<p>Aufgeweckt wurden wir von den ersten Sonnenstrahlen, die nach dem Gewitter aus den Wolken hervorbrachen.<\/p>\n<p>Ein neuer Tag &#8211; neues Gl\u00fcck. 4 Kehren sind noch zu bew\u00e4ltigen, dann sind wir auf dem Passo del Predil. 1156 Meter geschafft. Die F\u00fc\u00dfe schmerzen.<\/p>\n<p>Oben auf dem Pass stehen die alten Grenzfesten aus dem Jugoslawiuschen Krieg. Alte Ruinen. Mit Einschussl\u00f6chern, mit Stacheldrahtzaun umrandet und verrosteten zerfallenen Fensterrahmen. Die eine sieht aus wie eine Burg, allerdings kann man die moderne Gibelarchitektur erkennen. Wenn man bedenkt, wie &#8220;jung&#8221; diese Geb\u00e4ude sind beginnt man dar\u00fcber nachzudenken, was sie wohl alles er- und \u00fcberlebt haben.<\/p>\n<p>Aufgrund l\u00e4ngerer unbegr\u00fcndeter Schreibpause und damit eingehendem Erinnerungsverlust folgt der Rest der Reise in einer leiter weniger blumigen Formulierung.<\/p>\n<p>Nach dem wundersch\u00f6nen Predil-Pass beginnt das Herz eines Abenteurers zu schlagen &#8211; geschlagene 20km geht es n\u00e4mlich bergab. Kurvig. Die Stra\u00dfe l\u00e4sst zu w\u00fcnschen \u00fcbrig.<br \/>\nAber kein Problem, immerhin hat es aufgelockert und eine tr\u00fcgerische Morgensonne l\u00e4sst perfektes Radfahwetter vermuten.<br \/>\nSch\u00f6n, denn die Vermutung wurde nicht best\u00e4tigt &#8211; im Gegenteil! Knappe 8km weiter im S\u00fcden &#8211; wir sind gerade dabei ein Gesch\u00e4ft zu ersp\u00e4hen um uns die hungrigen M\u00e4gen vollzuschlagen &#8211; beginnt es zu tr\u00f6pfeln, allerdings war der Hunger so gro\u00df, dass uns dies egal war. Also rein ins Gesch\u00e4ft, und nach Lust (die war gro\u00df) und Laune (die war gut) eingekauft. Ziemlich viel.<\/p>\n<p>Dann wurde geschlemmt! =)<br \/>\nUnd Geraucht &#8211; den Luxus gab es damals noch!<\/p>\n<div class=\"separator\" style=\"clear:both;text-align:center;\"><a style=\"margin-left:1em;margin-right:1em;\" href=\"http:\/\/noahsmindfuck.wordpress.com\/wp-content\/uploads\/2011\/03\/dsc003371.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/noahsmindfuck.wordpress.com\/wp-content\/uploads\/2011\/03\/dsc003371.jpg?w=225\" alt=\"\" width=\"240\" height=\"320\" border=\"0\" \/><\/a><a style=\"margin-left:1em;margin-right:1em;\" href=\"http:\/\/noahsmindfuck.wordpress.com\/wp-content\/uploads\/2011\/03\/dsc003381.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/noahsmindfuck.wordpress.com\/wp-content\/uploads\/2011\/03\/dsc003381.jpg?w=225\" alt=\"\" width=\"240\" height=\"320\" border=\"0\" \/><\/a><\/div>\n<p>Mit vollem Bauch weiter gen S\u00fcden. Das nieseln war zwischendurch immer wieder ein ausgewachsener Regen und dementsprechend hilfreich waren die Sonnenbrillen, welche wir mit hatten. Ein paar Rauchpausen wenn die sicht durch die Wassermassen schlecht wurde haben wir uns allerdings geg\u00f6nnt.<\/p>\n<div class=\"separator\" style=\"clear:both;text-align:center;\"><a style=\"margin-left:1em;margin-right:1em;\" href=\"http:\/\/noahsmindfuck.wordpress.com\/wp-content\/uploads\/2011\/03\/dsc003391.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/noahsmindfuck.wordpress.com\/wp-content\/uploads\/2011\/03\/dsc003391.jpg?w=300\" alt=\"\" width=\"320\" height=\"240\" border=\"0\" \/>\u00a0<\/a><\/div>\n<div class=\"separator\" style=\"clear:both;text-align:center;\"><\/div>\n<p>Viele (ich bilde mir ein mich zu erinnern es seien 8 gewesen) Stunden sp\u00e4ter erreichen wir die Italienische Grenze in Nova Gorica, einen Kaffee in einer Tankstelle und ein paar weitere monsunartige Regeng\u00fcsse sp\u00e4ter taucht vor uns Monfalcon und das Meer auf.<\/p>\n<table class=\"tr-caption-container\" style=\"margin-left:auto;margin-right:auto;text-align:center;\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\" align=\"center\">\n<tbody>\n<tr>\n<td style=\"text-align:center;\"><a style=\"margin-left:auto;margin-right:auto;\" href=\"http:\/\/noahsmindfuck.wordpress.com\/wp-content\/uploads\/2011\/03\/dsc00340_fhdr1.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/noahsmindfuck.wordpress.com\/wp-content\/uploads\/2011\/03\/dsc00340_fhdr1.jpg?w=300\" alt=\"\" width=\"640\" height=\"160\" border=\"0\" \/><\/a><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td class=\"tr-caption\" style=\"text-align:center;\">Monfalcone<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table class=\"tr-caption-container\" style=\"margin-left:auto;margin-right:auto;text-align:center;\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\" align=\"center\">\n<tbody>\n<tr>\n<td style=\"text-align:center;\"><a style=\"margin-left:auto;margin-right:auto;\" href=\"http:\/\/noahsmindfuck.wordpress.com\/wp-content\/uploads\/2011\/03\/dsc00341_fhdr1.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/noahsmindfuck.wordpress.com\/wp-content\/uploads\/2011\/03\/dsc00341_fhdr1.jpg?w=300\" alt=\"\" width=\"640\" height=\"160\" border=\"0\" \/><\/a><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td class=\"tr-caption\" style=\"text-align:center;\">Von den Klippen vor Triest<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>Der Fahrtwind hat den Gro\u00dfteil unserer Kleidung getrocknet und unsere Motivation schwebt im siebten Himmel. Ich sehe zum ersten Mal das Meer bewusst. Mit 5 Jahren war ich schon mal am Meer, aber daran habe ich beinahe keine Erinnerungen.<\/p>\n<p>Ihr wisst ja wie es im Himmel ist. Da reden alle nur \u00fcbers Meer!<\/p>\n<p>Alsbald beginnen unsere Nerven jedoch zu jucken, immerhin sind wir nun &#8211; es ist bereits 22:30 und tiefeste Nacht &#8211; mitten in Triest, einer, nebenbei bemerkt, h\u00e4sslichen Industriestadt, es stinkt nach Fisch, und die g\u00fcnstigste Pension die wir gefunden hatten war um 75\u20ac pro Nase.<\/p>\n<p>Danke.<\/p>\n<p>Da haben wir doch freundlich abgeschlagen.<\/p>\n<p>Schon mal nach 2h Schlaf 12h mit dem Fahrrad gefahren? Der effekt ist sehr interssant, man wirt ein bisschen lethargisch, unf\u00e4hig zu denken und zu kombinieren. Nachdem wir 3 Stunden vergeblich versucht hatten einen Kaffee zu trinken, jedoch einfach im Tunnelblick in der Stadt herumgeirrt sind und dies dementsprechend nicht geschafft hatten beschlossen wir mit brennenden F\u00fc\u00dfen aus Triest zu verschwinden um etwas weiter s\u00fcdlich an der K\u00fcste zu n\u00e4chtigen. Es war mittlerweile Mitternacht. Und wir kamen ziemlich genau 800 Meter. Dann bauten wir in einem Park neben einer Autobahnauffahrt mitten in Triest unsere H\u00e4ngematten auf und lie\u00dfen uns treiben. Nun gabs endlich ein paar Stunden dringend ben\u00f6tigten Schlafes.<\/p>\n<p>Nach dem Aufstehen machten wir einfach einen auf Assi und flackten uns &#8211; nach dem wir die schienengebundene Heimreise abgekl\u00e4rt hatten, an den Kai.<\/p>\n<div class=\"separator\" style=\"clear:both;text-align:center;\"><a style=\"margin-left:1em;margin-right:1em;\" href=\"http:\/\/noahsmindfuck.wordpress.com\/wp-content\/uploads\/2011\/03\/dsc003421.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/noahsmindfuck.wordpress.com\/wp-content\/uploads\/2011\/03\/dsc003421.jpg?w=300\" alt=\"\" width=\"320\" height=\"240\" border=\"0\" \/><\/a><\/div>\n<p>Ein paar im Schlafrausch verbrachte Stunden &#8211; und ich mit einem ansehbaren Sonnenbrand &#8211; sp\u00e4ter gabs dann noch einen besuch beim DESPAR am Bahnhof. Lecker. Nektarinen. Joghurt. Mehr oder geplanter einzukaufen schafften wir einfach nicht.<\/p>\n<div class=\"separator\" style=\"clear:both;text-align:center;\"><a style=\"margin-left:1em;margin-right:1em;\" href=\"http:\/\/noahsmindfuck.wordpress.com\/wp-content\/uploads\/2011\/03\/dsc003431.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/noahsmindfuck.wordpress.com\/wp-content\/uploads\/2011\/03\/dsc003431.jpg?w=300\" alt=\"\" width=\"320\" height=\"240\" border=\"0\" \/><\/a><a style=\"margin-left:1em;margin-right:1em;\" href=\"http:\/\/noahsmindfuck.wordpress.com\/wp-content\/uploads\/2011\/03\/dsc003441.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/noahsmindfuck.wordpress.com\/wp-content\/uploads\/2011\/03\/dsc003441.jpg?w=225\" alt=\"\" width=\"240\" height=\"320\" border=\"0\" \/><\/a><\/div>\n<p>Heimfahrt im Zug.<br \/>\nUnspektakul\u00e4r und nicht erw\u00e4hnenswert.<\/p>\n<p>Als wir in Travisio ankamen &#8211; REGNETE es zuf\u00e4lliger weise wieder. Und nicht allzuschwach.<br \/>\nWas solls, auf die R\u00e4der geschwungen, die Pedale getreten, bum-zack, wir sind in Arnoldstein, schnell in den letzten Zug einst&#8230;. ups. Da f\u00e4hrt er. Nix mit letztem Zug.<br \/>\nEs regnet. Es sch\u00fcttet! Es wird gerade dunkel. Was solls, Gott sei dank gibt es im ganzen Raum Villach genau ein Bus-Taxi. Es ist nicht erreichbar!<br \/>\nUm 30\u20ac pro Mann und Nase gehts dann &#8211; jeder im eigenen Kombi, die nassen dreckigen R\u00e4der auf den sch\u00f6nen Ledersitzen &#8211; nach Villach.<br \/>\nHier hat unser Gl\u00fcck wieder zugeschlagen, wir erwischen einen Zug nach Spittal, und k\u00f6nnen \u00fcbergl\u00fccklich bei der allerliebsten Judith unterkommen. Glaub ich. Ich wei\u00df leider nichtmehr wann, aber wir fuhren (die Strecke ist ca. die gleiche) \u00fcber Salzburg nach Wien. Mit dem Zug.<\/p>\n<p>Fazit?<\/p>\n<div class=\"separator\" style=\"clear:both;text-align:center;\"><a style=\"margin-left:1em;margin-right:1em;\" href=\"http:\/\/noahsmindfuck.wordpress.com\/wp-content\/uploads\/2011\/03\/map_reise1.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/noahsmindfuck.wordpress.com\/wp-content\/uploads\/2011\/03\/map_reise1.jpg?w=281\" alt=\"\" width=\"600\" height=\"640\" border=\"0\" \/><\/a><\/div>\n<p>\u00a9Essl Noah, Juni 2011<\/p>\n<div class=\"blogger-post-footer\"><img alt=\"\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kennst du den Begriff &#8220;Rauschaktion&#8221;? In unserem Sprachgebrauch versteht man darunter etwas, was man im Alkoholrausch macht, wo man im nachhinein nicht wei\u00df, ob man sich dar\u00fcber freuen soll oder ob man in die Psychatrie eingewiesen werden muss. 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