{"id":4265,"date":"2023-11-08T15:09:07","date_gmt":"2023-11-08T15:09:07","guid":{"rendered":"https:\/\/noahsmindfuck.wordpress.com\/?p=4265"},"modified":"2026-06-06T15:31:24","modified_gmt":"2026-06-06T15:31:24","slug":"im-herbst-lieben","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.noahessl.com\/?p=4265","title":{"rendered":"Im Herbst lieben"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">M\u00fcde dringen meine Gef\u00fchle verschn\u00f6rkelt und verst\u00e4ndigungswiderst\u00e4ndig an meine Oberfl\u00e4che.<br>Als ich heute morgen losgefahren bin ist die Sonne so hell leuchtend aufgegangen und hat durch die Zwischenr\u00e4ume zwischen den Wolken ihren unzerbrechlichen Optimismus verk\u00fcndet. &#8220;Leuchte!&#8221; rief sie mir zu, und meine Freude sprang in Richtung der endlosen Tiefe am Himmel, ins hellblau, da wo die letzen Rott\u00f6ne des Morgens sich in zartem Pink verloren. Ich habe alle meine Ich&#8217;s fest umarmt und freue mich nun als kuschelnder Haufen meiner Einzelteile auf die Begegnung mit dir.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\" \/>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Heute hab ich ganz viel Auto Auto Auto Auto gemacht. Ich bin damit gefahren, habs eingeladen, ausgeladen, eine Hebeb\u00fchne hoch und runtergefahren, habs mit ner Flex zerschnitten, mit stinkender Fl\u00fcssigkeit eingepinselt, mit nem Hammer gehaut, mit ner Zange verbogen, mit ner B\u00fcrste geschrubbt und mit Schraubenschl\u00fcsseln dran gedreht.<br>Es hat geraucht, gefunkt und gekleppert, es hat auch ganz laut gekreischt und gequietscht, geknallt und geknistert und gebrutzelt. Gepengt und geraschelt hats, gestungen und es war sehr hell und staubig, gl\u00fchend hei\u00df und so kalt, dass mir die Finger weh getan haben. Ich bin gesessen, gelegen, gestanden, gesprungen und geklettert und hab mir manchmal die Augen zugekniffen und die Luft angehalten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein aufregender Tag.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich wurde mit Kaffee beschenkt und mit S\u00fc\u00dfgeb\u00e4ck. Ganz toller Spinat ist f\u00fcr mich gekocht worden und Kartoffeln, und Eierspeis. Und Milchbr\u00f6tchen mit hausgemachter Marmeldade wurde mir zu schokolade\u00fcbergossenen Lebkuchen gereicht, w\u00e4hrend ich an einer scheinbar niemals leer werdenden Tasse Kaffe genippt habe. Umarmt wurde ich, Witze wurde mit mir gemacht und ganz von Herzen hab ich von 3 Menschen sehr stark vertrauensbildende Komplimente bzw. Lob bekommen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Was f\u00fcr ein Tag.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Sonne durfte ich aufgehen sehen, und den Mond auch. Ins Gesicht hat sie mit gepinkelt, mit ihren gelben, warmen Herbststrahlen (hmm\u2026. verzeih mir diese komische Referenz, das hat in meinem Kopf grad intuitiv zusammen gepasst und dann wollt ichs dir nichtmehr vorenthalten). Die Bl\u00e4tter sind, mal einsam und mal in gro\u00dfen Flocken, von den B\u00e4umen gekracht und die H\u00fchner haben die K\u00f6pfe in die frisch gescharrte Erde gesteckt. Es ist viel geflogen und hat gepiepst, geflattert und gekr\u00e4chzt, sogar ein ungl\u00e4ubig noch das \u00fcberraschend lange Leben genie\u00dfendes Wespchen hat sich aus einem Holzkorb bem\u00fcht und ist weggebrummt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein lebendiger Tag.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Funken sind geflochen, pfeifent und fauchend aus dem explodierenden, fl\u00fcssigen Metall, knallend in k\u00fcrzestem Takt, prickelnd \u00fcber den Boden schnellend und in immer kleinere Gl\u00fchk\u00f6rperchen zerfetzend sind die Schwei\u00dfk\u00fcgelchen um mich herumgesprungen und haben ihren Feuertanz, der sie am Leben h\u00e4lt, bis zum Ende getanzt, wo sie kalt, grau und winzig klein sich nun verkr\u00fcmeln, als kleines Eisenk\u00fcgelchen um gro\u00dfen Haufen Schmutz, den wir zusammengefegt haben. Was f\u00fcr eine Abstieg.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein verr\u00fcckter Tag.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Und doch hab ich die ganze Zeit immer wieder an dich gedacht.<br>Ich hab dich im Morgen, als ich aus dem Haus bin, beim Laufen imaginiert.<br>Beim Warten auf die andere*n sah ich dich vor deinem Computer sitzen und arbeiten.<br>Als ich dann im Auto durch die Gegend fuhr hast du in die Sonne geschaut und dich gefreut.<br>Und w\u00e4hrend ich geh\u00e4mmert und gew\u00fctet habe bist du durch W\u00e4lder und \u00fcber Wege und Stra\u00dfen geradelt und spaziert.<br>Ich sah dich auf einer Bank beim Tee trinken und in Bewegung in einem sehr anregenden Gespr\u00e4ch.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Und immer wollt ich dir winken, dir hallo sagen, dich gr\u00fc\u00dfen.<br>Dann hab ich aber gedacht, ich bleib mal kurz bei mir. Bis ich dir jeweils wieder begegnet bin.<br>Es war jedes mal aufs neue \u00fcberraschend und sch\u00f6n.<br>Es ist toll, dir zu begegnen.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\" \/>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Jetzt bin ich schon den dritten Tag hintereinander aus der Stadt gefahren und mit jedem Mal steigt mein Wunsch, dich zu schnappen und dich mit dieser herbstlichen Sch\u00f6nheit zu verf\u00fchren. Ich exerziere deinen von mir imaginierten Wunsch nach Ausbruch, hier ins vielfache, wo die Farben sich streiten und die kleinsten Ger\u00e4usche miteinander um Anerkennung konkurrieren &#8211; in Abwesenheit der Auto-, Menschen- und Zivilisationsger\u00e4usche.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Hier wirft kein Haus einen Schatten und die Rehe streunen \u00fcber weite Felder. Sowohl der Horizont ist da, als auch der weiche, erdige Boden, ganz ohne Asphalt und Beton erscheint mir die Welt gleich einen Hauch lebendig, versch\u00fcttet wird dieser Gedanke nur vom Augen \u00f6ffnen, sitz ich doch schon wieder im Zug, die Menschen, eingepackt in ihre variablen Plastikh\u00fcllen verk\u00fcmmern genauso zu einer Oberfl\u00e4che wie die Mobiltelefone, in die sie z\u00e4rtlich wischend hinenh\u00e4ngen mit ihren Gehirnen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich denk beim ins jetzt zur\u00fcckkommen an deine Ber\u00fchrung und glaube ganz stark an deren Antivirtualit\u00e4t, so greifbar kann erleben sein, so greifbar ist Leben. Wie das Gegenteil der bewusst absoluten und unbedingt zu verteidigenden Ja-Nich-Ber\u00fchrtheit der K\u00f6rper hier in der schnellen Eisenkiste. So nah, und doch so fern, bildet sich die Sehnsucht ab, werden alle K\u00f6rper gleich und anf\u00fchlsam, sehne ich mich an alle dran, mir vormachend, dass du da drin seist, in dieser Haut. Du. Und die anderen. Alle lieben und nahen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Sollen die esoterischen doch glauben was sie wollen, in meinen Emotionen sind wir, und seid ihr, alle eins. Der K\u00f6rper, \u00fcber Ber\u00fchrung wird die Zusammenheit erschaffen, und dort \u00fcberkommt mich das Leben, das lebendige Leben, mit allen Gef\u00fchlen gewaschen und umsp\u00fclt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wo bist du? &#8211; Versuche ich zu begreifen<br>Wer bist du? &#8211; bist du denn \u00fcberhaupt &#8211; und bin ich?<br>Verschmolzen im Traum des Gemeinsamen verliere ich dich, und mich, bin ich wieder ganz alleine und \u00e4ngstlich, am absterben vor Einsamkeit.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Vielleicht ist es doch besser, wenn wir nicht alle eines sind. Dann hat mein Wunsch nach dir wieder Berechtigung und ich darf echt sein.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\" \/>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es rauscht die Welt so richtig schnell dahin<br>sie geht an, sie geht aus, wie ein Fahrradlicht mit Wackelkontakt, am Heimweg, betrunken \u00fcber die Pflasterstra\u00dfe.<br>So scheppert es, hell &#8211; dunkel &#8211; hell &#8211; dunkel hell &#8211; hell &#8211; dunkel hell dunkel<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wie ein Wasserfall, wie eine \u00fcberdimensionierte Dusche aus der die Zeit heraus rinnt<br>so str\u00f6mt es \u00fcber mich hinweg, das heute, das morgen, das gestern<br>so viel Zeit vergeht in so kurzer Zeit, alles ist schnell<br>rasend.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wann haben wir uns das letzte mal gesehen? War das vor einem Monat? Oder so?<br>Gestern ist eine komische Kategorie, das wir der Echtheit kaum Gerecht<br>Ich suche die Vergangenheit, und ich sehe sie, weit ist sie weg<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bin ich so schnell oder ist es das au\u00dfen<br>kann ich mir Zeit nehmen, oder nimmt sich die Zeit mich<br>Blickkontakt &#8211; da ist wieder dieses Blinzeln, hier ist sie, weg ist sie<br>und so braust die Welt auf mich ein<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das ist schon sehr fremd.<br>Oder bin ich das &#8211; fremd?<br>Alles rennt<br>alles rennt<br>alles fremd<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Aufblitzen<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">und wieder weg<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">hier<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">fort<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">und dazwischen das Rauschen<br>das der Geschwindigkeit<br>nicht ein Tinnitus der \u00dcberforderung<br>sondern das ganze Erfahren der vorbeiziehenden Zeit<br>so stark kann ich das sp\u00fcren.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\" \/>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">to be continued&#8230;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>M\u00fcde dringen meine Gef\u00fchle verschn\u00f6rkelt und verst\u00e4ndigungswiderst\u00e4ndig an meine Oberfl\u00e4che.Als ich heute morgen losgefahren bin ist die Sonne so hell leuchtend aufgegangen und hat durch die Zwischenr\u00e4ume zwischen den Wolken ihren unzerbrechlichen Optimismus verk\u00fcndet. &#8220;Leuchte!&#8221; rief sie mir zu, und meine Freude sprang in Richtung der endlosen Tiefe am Himmel, ins hellblau, da wo die [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":4940,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[17,2],"tags":[],"class_list":["post-4265","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-deep-to-the-core","category-deutsch"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blog.noahessl.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/4265","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blog.noahessl.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blog.noahessl.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.noahessl.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.noahessl.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=4265"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/blog.noahessl.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/4265\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":5039,"href":"https:\/\/blog.noahessl.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/4265\/revisions\/5039"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.noahessl.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/4940"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blog.noahessl.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=4265"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.noahessl.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=4265"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.noahessl.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=4265"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}