Du bist immer da, wenn ich dich nicht brauche, und nie hast du gesagt, wie sehr du mich liebst
jetzt, wo ich mich an dich lehne, endlich wieder das kleine Kind von früher
hast du Stacheln mit Widerhaken die mich durchdringen, mich zerreißend streicheln
weine ich vor Trauer nurmehr, ist der Abschied ja für immer
schmerzvoll vergewaltigt mich das was mir nie Erfahren, aus der Ferne der Zeit ungreifbar
hängt sich mir der Strick an den Hals und zieht zu, sieht zu – siehst du?
Wenn du in mich eindringst erschlägt mich die Schwere meiner steinernen Mauern
so unfühlbar bist du geworden, habe ich mich verschlossen, sind wir voneinander entfernt.
Ununterscheidbar decken wir uns in unseren gegenseitigen Widersprüchen
will ich dich lieben so wie ich dich hasse, dich hassen so wie ich mich liebe
schreit in mir das letzte zärtliche Restchen der von der Welt gebeutelt vernichteten, inneren Stimme
nach einer Umarmung, von dir, von mir – von irgendwem?
Vatermutter, warum bist du so einsam?
Vatermutter, warum bist du so weit weg?
Lässt mich alleine, damit ich alleine sein kann,
lässt mich leiden, damit ich nicht mehr leide,
liebst mich durch Liebesentzug,
vermenschlichst mich durch Objektifizierung.
Wer hört mir zu, leiht mir eine warme Schulter, boxt meine Dämonen und wirft sich schützend auf mich, wenn die Welt auf mich einfällt? Du, du, du, du, du – bist nicht da. Warst nicht da.
Wirst du sein können?
