Ich kauer, klein, wie ein Schneebällchen aus Glasflocken im Finsteren. Rund um mich herum Stimmen, rauschen tut es, und raunen. Laute, männliche Stimmen sind da, Stimmen die Raum nehmen, Stimmen die Angst bereiten, Stimmen die auf mich einschlagen. Kleine Hämmerchen und große Hämmer, donnern und klicken, das Raunen der Stimmen wie es mich klein macht und kleiner macht. Und zerbrechlich und zerbrechlicher.
Jedes Treffen ein kleines Zerspringen, jedes getroffen werden eine kleine Explosion, oder eher Implosion, eine Implosion von mir. Ich bin nicht mehr, in jedem kleinen Treffen steckt eine kleine Auflösung, Zerbröselung, ein krümelwerden vor dem Druck des schwarzen Nichts, des dunkelgrauen tosenden Drucks, der mit scharfen Klingen wirbelnd meinen Raum aufs überlebensnotwendigste verengt. Und manchmal selber über diese Grenzen schlägt.
Und in jedem getroffen werden fliegen die Klingen durch mein Fleisch in meinem Bauch, durch die Lebendigkeit meiner Seele, den Puls meines Seins, und ausweichen muss ich, dringend, um zu überleben. Dünn werde ich, wie eine Schicht Seife auf dem Wasser, nur noch ein Film bin ich, übrig geblieben ein Schleier, ein Gedanke an mich, aber schon durchsichtig, und eigentlich schon weg.
Denn ich will das Schneiden, das Drücken, das Hämmern und das Zerbrechen überleben und so muss ich jedes Mal in eine neue Form, in eine andere Gestalt, kein Ziel mehr sein, keine Projektionsfläche. Meine Ohren schneid ich ab, damit ich die Männerstimmen nicht mehr höre, und meine Augen kratz ich aus, als als würd ich dadurch unsichtbar. Dass ich mich nicht mehr sehe, macht mich nur noch durchsichtiger.
Ganz ängstlich ist mein Kern, ganz schreckhaft mein Keim und ganz in sich zusammengezuckt bin ich in meinem Inneren, zurückgezogen lebe ich in meinen kleinsten Facetten, meinen innersten Falten und in der einzigen Wiedererkenntnis einer Geschichte meiner selbst – dem Verschwinden, in welchem ich mein letztes Stück nur dann bewahre, wenn ich dies tu.
Warum ich noch am Leben bin weiß ich nicht, und wie ich es überlebt habe auch nicht. Mache ich die Augen zu erlebe ich die selbe Gewalt in tausenden Momenten sich wiederholend zugleich, jede Vergangenheit aufsummiert ins jetzt gezerrt und mit Scheinwerfen erhellt. Das Licht ist immer an, ist da immer dieser Lärm.
Meine eigene Angst schreit mir hundertfach zugleich ins Ohr, eine kleine Unachtsamkeit, und schon bricht der Damm, die Fluten quellen durch meinen Mund wie ein Erbrechen, durch meine Stirn drückt es mir die Erinnerungen aus dem Gesicht, schlägt meinen Kopf auf den Boden, auf den Tisch, beutelt mich und drischt mich an die Wand.
Meine Ohren rauschen, meine Panik schiebt mir den Schweiß aus dem Poren und die Augenlieder blinzeln krampfhaft, als könnten sie aufwachen aus diesem Alptraum. Wenn die Dämonen der Zeit sich durch die Schatten schleichen, meinem hilflos in der Vergangenheit verharrenden, unveränderlichen Sein die Finger in den Leib rammen bis ich meine Erinnerungen wieder verliere.
Muss ich mich verlieren, mich aufgeben, mich verneinen, vernichten und versagen, um zu überleben. Das ist keine Frage, das ist mein Wettlauf mit der Zeit, das ist mein Überlebenskampf, mein Rennen vor den Wölfen, die im Schwarzen lauern. Es ist anstrengend.
